
Romeo & Julia bei Klassik am Meer
Eine schöne Inszenierung sollte es werden, das hatte sich Thomas Wingrich (Regie) von der 2017 „Klassik am Meer“-Aufführung von Shakespeares Romeo & Julia gewünscht.
Schön ist sie wahrhaftig geworden, davon konnten sie die Zuschauer der Premiere am 6. Juli überzeugen. Die Inszenierung in der Koserower Kirche ist aber weit mehr. Klassisch und auch nicht kommt die schönste Liebesgeschichte der Welt auf die Insel Usedom. Das Stück beginnt inmitten der Zuschauer und findet dann immer mehr auf die Bühne, die auffallend intensiver gestaltet ist als man es von „Klassik am Meer“ kennt. Gesine Ullmann hat einen Hauch von Feininger in die Kirche (obwohl, wir sind nicht in Benz) geholt und das Licht unterstützt diesen Eindruck und gibt dem Klassiker Schönheit.
Witz in Wort und Gestik, Musik aus einem Lautsprecher und großartige Schauspieler machen das Sommerstück 2017 trotz der Tragik der Geschichte leicht und unbedingt sehens- und hörenswert.
Da ist eine Julia (Laurine Betz), die leidenschaftlich und gefühlvoll nicht nur ihren Romeo (Mark H. Mühlemann), sondern auch den Zuschauer verzaubert. Großartig, die Amme (Karoline-Anni Reingraber), die die Zuschauer in fast jeder Situationen zum Lachen bringt und so ein mächtiges tragisch- komisches Moment in Shakespeares Romeo & Julia ermöglicht. Peter Dulke als Mercutio, Apotheker und Bruder Markus verstärkt das dann noch und überrascht nicht nur durch eine Udo Lindenberg-Parodie.
Bea-Marie Rück als Lady Capulet spielt ihre Distanz zu Julia so intensiv und überzeugend, dass man sie fast dafür hassen möchte. Und dann ist da noch Eric Eisenach (Pater Lorenzo, Tybalt), der als Pater Romeo & Julia unterstütz wo er nur kann, allein es geligt ihm leider nicht sehr viel dabei. Als Tybalt kämpft er gegen Romeo. Die gegensätzliche Rollen nimmt man ihm ab und glaubt fast nicht dass es ein und der selbe Schauspieler ist – der Pater scheint ihm auf dem Leib geschneidert.
Mit Gottfried Richter (Capulet), Klaus Rätsch (Montague, Paris) und Jürgen Kern (Fürst) wird der Inszenierung zu der jugendlichen Leichtigkeit die passende Würde und Erfahrung eingehaucht und so von Thomas Wingrich ein Stück auf die Bühne der kleinen Dorfkirche gebracht, das einen interessanten und gelungen Blick auf den Klassiker ermöglicht und mehr als eine schöne Inszenierung ist – weiter so Thomas Wingrich, kann man da nur hoffen!
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